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Exilukrainische Musiker gründen Orchester in Deutschland | Musik | DW

Das Orchester heißt Mriya, das ukrainische Wort für „Traum“ – weil seine Musiker davon träumten, trotz des Krieges Musik zu machen. Es wurde im März von Ukrainern gegründet, die aus ihrem Herkunftsland geflohen sind, und seitdem haben sich mehr als 30 Musiker angeschlossen.

Margaryta Grynyvetska ist eines der neuesten Mitglieder. Der Dirigent des Nationalen Akademischen Opern- und Balletttheaters in Odessa floh, als die russische Invasion in der Ukraine begann. Sie traf zwei Freunde, um gemeinsam Musik zu machen. “Ich hätte nie gedacht, dass unser erstes Treffen auf einer großen Bühne wie der der Berliner Philharmoniker stattfinden würde”, sagte sie der DW.

Am 10. Mai betritt das Mriya Orchestra mit einem gemischten Programm aus deutschen Klassikern und ukrainischen Zeitgenossen die Bühne im Berliner Konzerthaus.

Mriya-Musiker auf der Bühne

Arbeiten Sie mit einem großen Netzwerk

Das Orchester wird von der humanitären Organisation Alliance4Ukraine unterstützt und zollt denjenigen Tribut, die die Ukraine verteidigen und den Menschen helfen, ihr vom Krieg zerrüttetes Land zu verlassen.

Die Musiker arbeiten auch mit den Berliner Philharmonikern zusammen, um Arbeitsmöglichkeiten für ukrainische Berufskünstler zu schaffen.

Bei der Wohnungssuche, der Suche nach Proberäumen oder Konzertorten bietet die 2018 gegründete Hamburger Organisation Culture Connects konkrete Hilfestellungen. Roman Ohem, Präsident des Vereins, organisiert seit sieben Jahren Kammerkonzerte mit ukrainischen Musikern in Deutschland. Mit Hilfe seines Cellistenfreundes Lev Kucher gründete er Mriya.de.

„Für mich ist das alles sehr persönlich“, sagte Ohem. „Wir haben dank unserer Kontakte einfach eine Liste professioneller Musiker erstellt, die aus der Ukraine geflohen sind. Sie haben sich registriert, um ihnen zu helfen.“

Roman Ohem engagierte sich schon während des Syrienkrieges für Musiker und half auch als Geiger im syrischen Exilorchester mit. „Auf diese Weise können sich Musiker entfalten und sind frei“, sagt er. Das Playbook, das Programm und die Probenpläne werden von den Musikern selbst erstellt.

Vier Musiker, die das Cello spielen.

Probe für das Konzert

Hochkarätiges Programm in Berlin

Alle, die Mriya spielen – auch die Männer waren dabei – haben in ihrem Land als Berufsmusiker gearbeitet.

Gründerin des Orchesters ist die berühmte Bratschistin Kateryna Suprun. Hanna Tsurkan, Soloviolinistin der „Rhapsodie der Karpaten“ des ukrainischen Komponisten Myroslav Skoryk, ist Preisträgerin mehrerer internationaler Wettbewerbe und Mitglied des National Symphony Orchestra of Ukraine. Vor ihrer Zeit als Dirigentin in Odessa arbeitete Margaryta Grynyvetska auch mit der berühmten Dirigentin Oksana Lyniv, an der Bayerischen Staatsoper in München und auch in Luxor, Ägypten.

Das Programm für das Konzert am 10. Mai in den Berliner Philharmonikern umfasst das Konzert für zwei Klaviere in Es-Dur (Klavierkonzert Nr. 10) von Wolfgang Amadeus Mozart, aufgeführt von der ukrainischen Starpianistin Kateryna Titova und ihrem Kolleginnen und Preisträger, dem Pianisten Artem Yasynskyy.

Auch das berühmte Violinkonzert in a-Moll von Johann Sebastian Bach wird präsentiert. Das Orchester spielt auch Musik zeitgenössischer Komponisten, darunter Valentyn Silvestrov. Sein Werk „Silent Music“ wird derzeit bei mehreren Konzerten in Deutschland aufgeführt.

Auch der Komponist Myroslav Skoryk, dessen Werke ebenfalls Teil des Programms sind, wird für seine Kompositionen für Streichorchester geschätzt.

Berliner Philharmoniker

Die Berliner Philharmoniker

Musik aus ihrer Heimat zu spielen, ist für Margaryta Grynyvetska eine sehr emotionale Angelegenheit. Das merkte sie bei einem Konzert, das sie in der litauischen Hauptstadt Vilnius dirigierte: „Ich war den Tränen nahe, als mir klar wurde, dass unser Leben, das wir in der Ukraine hatten, nie wieder dasselbe sein würde“, sagte sie. „Ich weiß nicht, wann ich in mein geliebtes Odessa, in mein Haus, in meine Heimat zurückkehren werde. Deshalb ist es sehr wichtig für uns, diese Musik zu spielen, diese Verbindung zu unserem Land zu haben.“

Mehrheit Frauen

Das Orchester besteht hauptsächlich aus Geigern und Blasinstrumentalisten. Männer tauchen nur kurz auf, sagt Margaryta Grynyvetska. “Alle Männer sind jetzt Soldaten, wenn wir sozusagen an der kulturellen Front kämpfen. Das ist unsere Aufgabe.”

Roman Ohem setzt sich jetzt dafür ein, dass männliche Musiker eine außerordentliche Erlaubnis zur Ausreise aus der Ukraine bekommen, aber das ist schwierig. “Sie können das Land nur verlassen, wenn ihre musikalische Arbeit im Ausland nützlicher ist als der Einsatz von Waffen.” Dies ist der einzige Grund, Auslandsreisen für männliche Musiker zuzulassen.

In Deutschland hingegen hat Margaryta Grynyvetska oft das Gefühl, dass der Krieg in der Ukraine bereits zur Normalität geworden ist. “Deshalb ist es uns wichtig zu zeigen, dass der Krieg eine ernste Situation ist und die Ukrainer dringend Hilfe und Unterstützung brauchen”, sagt sie.

Unterstützen Sie mit Begeisterung

Wer glaubt, ukrainische Musiker könnten umsonst im Theater spielen, der irrt, sagt Roman Ohem. „Wir zahlen in der Philharmonie 11.000 Euro Miete. Es gibt keinen Rabatt und ich persönlich habe mit meinem deutschen Konto und dem Verein einen Kredit über 11.000 Euro aufgenommen.“

Auch sein bescheidenes Stipendium, das er während der Pandemie als freischaffender Künstler erhielt, wurde für Hilfsprojekte gespendet. “Unsere Konzerte sind zu 100 % wohltätig, was bedeutet, dass alles, was übrig bleibt, sofort in die Ukraine geht.” Das Konzert der Berliner Philharmoniker wird unter anderem von der Deutschen Orchester-Stiftung gefördert. Die Gewinne werden für die medizinische Versorgung von Kriegsopfern verwendet. Für ukrainische Zuschauer ist die Veranstaltung ebenfalls kostenlos.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Deutsch verfasst.

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